Wirtschaft

Ernst&Young „Start-up-Barometers Deutschland“ und zur Finanzierungssituation für Gründerinnen und Gründer

Frage:

Ich frage die Landesregierung: Wie bewertet sie die Ergebnisse des Ernst & Young „Start- up-Barometers Deutschland“ aus dem Januar 2021 vor dem Hintergrund, dass Hessen bei Anzahl und Wert der Finanzierungsrunden von Start-ups im Jahr 2020 nur auf Rang 7 der Bundesländer rangiert?

Antwort:

Sehr geehrter Herr Abg. Dr. Naas, ich habe eine im Wort- laut fast gleiche Frage der Kollegin Löber in der letzten Fragestunde beantwortet. Deswegen antworte ich Ihnen das Gleiche.

Das jährlich von EY vorgelegte Start-up-Barometer ruft zwar regelmäßiges Medieninteresse hervor, es lässt aber keine wirklich aussagekräftigen Rückschlüsse auf die tat- sächliche Qualität eines Start-up-Ökosystems zu. Das liegt daran, dass das EY Start-up-Barometer keine zuverlässigen und umfassenden Datenquellen auswertet, sondern haupt- sächlich Pressemitteilungen und Presseberichterstattungen berücksichtigt.

Aufgrund dieser Datenquellen bietet es lediglich Hinweise auf öffentlich kommunizierte und von EY wahrgenomme- ne erfolgreiche Finanzierungen, aber keine harten Daten und Fakten. So wird z. B. für alle hessischen Start-ups eine Finanzierungssumme von insgesamt 43 Millionen € für das Jahr 2020 angegeben. Allerdings hat allein das hessische Start-up Solactive in einer einzigen Finanzierungsrunde im Jahr 2020 rund 49 Millionen € erhalten.

Andere Studien greifen auf deutlich mehr Quellen zurück, um das Investitionsgeschehen möglichst umfassend zu be- rücksichtigen. Um verlässlichere Zahlen zu ermitteln, wur- de im Auftrag meines Ministeriums im Jahre 2020 erstmals der „Deutsche Start-up Monitor“ hessenspezifisch ausge- wertet. Der vom Bundesverband Deutsche Start-ups e. V. erstellte „Hessen Start-up Monitor“ verzeichnet für das Jahr 2020 insgesamt 110 Finanzierungsrunden hessischer Start-ups und ordnet das Land im Bundesländervergleich nach den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie nach Bayern und Nordrhein-Westfalen auf Platz 5 ein.

Nachfrage:

Herr Minister, diese Antwort habe ich erwartet. Deshalb folgende Nachfrage: Nach Feststellung des „Hessen Start- up Monitors“ gab es im Jahr 2020 169 Neugründungen, von denen allerdings nur ca. 11 % durch Wagniskapital – der Bundesdurchschnitt liegt bei 19 % – und nur 31 % durch staatliche Fördergelder – der Bundesdurchschnitt be- trägt 44 % – gestärkt wurden. Nur 17,4 % der Neugrün- dungen bewerten nach der eigenen hessischen Studie den Zugang zu Kapital in Hessen als positiv. Warum tut die Landesregierung nicht mehr, um die Finanzierung der Gründungen zu verbessern?

Antwort:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, zunächst die Anmer- kung: Auch Start-ups werden gegründet und sind deswe- gen „Gründungen“.

Die Finanzierungssituation für Gründerinnen und Gründer in Hessen ist sehr gut. Bei der Start-up-Finanzierung tritt immer dann ein Problem auf – Start-ups sind, um an der Stelle den Unterschied zu erklären, technologisch getriebe- ne, auf schnelles Wachstum ausgerichtete, mit „neuen Ide- en“ hervorstechende Gründungen –, wenn das Unterneh- men in die Wachstumsphase eintritt und man sehr schnell sehr viel Kapital braucht, allerdings nicht sicher sein kann, was mit dem Kapital passiert. Die Debatte in Deutschland ist altbekannt, die sich darum dreht, dass es oft dann Finan- zierungsprobleme gibt, wenn man versucht, relativ schnell relativ viel Risikokapital zu besorgen.

Ich habe gemeinsam mit dem Kollegen Boddenberg vor gar nicht allzu langer Zeit beispielsweise den Futury Regio Growth Fonds vorgestellt, bei dem wir mit Privaten „hal- be-halbe“ machen. Ich glaube nicht, dass es irgendetwas Ähnliches in einem anderen Land in Deutschland gibt, wo das Land zusammen mit Privaten Risikokapital bereitstellt. Ich bin sicher, dass dieser Fonds zu Ergebnissen führen wird. Ich füge aber hinzu, Herr Dr. Naas: Bei Risikokapital ist selbstverständlich immer das Risiko vorhanden, dass es nicht klappt. Ich bin gespannt, ob Sie die Regierung immer noch unterstützen, wenn einmal etwas schiefgeht.

Nachfrage:

Herr Minister, ist es nicht bedauerlich, dass gerade am Fi- nanzplatz Frankfurt den Start-up-Gründungen das Wagnis- kapital fehlt?

Antwort:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, erstens habe ich eben ge- sagt, dass wir gerade hier in Hessen sehr erfolgreich dabei sind, neue Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen.

Zweitens hat das etwas damit zu tun, dass wir an der Stelle zwar ein generelles Problem haben – das ist der Unter- schied beispielsweise zu den USA, wo viele Private ihr Geld in solche Wagnisse stecken; „Wagniskapital“ heißt nicht ohne Grund so –, aber versuchen, es in Deutschland jetzt besser zu machen, als wir es in der Vergangenheit ge- tan haben, damit bei uns nicht nur gute Ideen entstehen, sondern am Ende auch kommerziell umgesetzt werden können. Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten. Das ist aber kein Frankfurt-spezifisches Problem, wenn ich es einmal so formulieren darf.

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