Wirtschaft

Comdirect Fintech-Studie 2020 und Frankfurt

Frage:

Ich frage die Landesregierung: Wie bewertet sie die Ergebnisse der „comdirect Fintech- Studie 2020“ vor dem Hintergrund, dass Frankfurt im Städte-Ranking hinter Hamburg auf Platz 4 zurückgefallen ist?

Antwort:

Sehr geehrter Herr Abg. Dr. Naas, lassen Sie mich bitte eines vorwegschicken: Diese Studie basiert auf Daten, die bis September 2020 erhoben wurden, und trifft daher noch keine abschließende Aussage für das angesichts der Pandemie auch für Start-ups außergewöhnliche Jahr 2020. Sie zeigt nur einen Zwischenstand und spiegelt nicht das komplette Jahr 2020 wider.

Die „comdirect Fintech-Studie 2020“ weist Frankfurt im nationalen Vergleich hinter Hamburg in der Tat Platz 4 zu. Auch hier lohnt allerdings ein näherer Blick. Den Platzierungen werden die Anzahl der Fintechs und Fintech-Neugründungen sowie die Höhe der Investments und die Anzahl der Finanzierungsrunden zugrunde gelegt. Bei der Gesamtzahl an Fintech-Start-ups rangiert Frankfurt denkbar knapp hinter München auf Rang 3, während Frankfurt bei der Anzahl der Gründungen beinahe ebenso knapp hinter Hamburg Platz 4 belegt.

In absoluten Zahlen ausgedrückt: Laut comdirect-Studie wurden letztes Jahr in Hamburg 17 und in Frankfurt 15 Fintechs gegründet. Damit hatten 115 Fintechs ihren Sitz in Frankfurt – bei zeitgleich 116 Fintechs in München.

Das Investitionsvolumen ging laut der Studie insgesamt deutlich zurück, vermutlich eine Auswirkung der Corona-Pandemie. Dabei ist Folgendes bemerkenswert: Während an nahezu allen Fintech-Standorten der Studie ein Einbruch der Venture-Capital-Investitionssummen im Vergleich zum Vorjahr ersichtlich ist, sind Berlin und Frankfurt die einzigen Städte, die im Vergleich zu 2019 überhaupt ein Wachstum verzeichnen können. Auf Frankfurt entfällt dabei das stärkste Wachstum – 5 % –, in Berlin beträgt das Wachstum rund 1,5 %.

An dieser Stelle sei aber auch darauf hingewiesen, dass längst nicht alle Investitionen öffentlich werden. So ist auch dem Tech-Quartier laut eigener Aussage vermutlich rund ein Drittel der Investments seiner Community nicht bekannt.

Es ist anzunehmen, dass auch die Corona-Pandemie deutliche Auswirkungen auf Fintech-Start-ups hat. In welcher Form und in welchem Umfang das der Fall ist, kann mangels belastbarer Studien noch nicht abschließend gesagt werden.

Gemeinsam mit den Beteiligten arbeiten wir daran, Fin- tech-Start-ups und anderen Start-ups bestmögliche Bedin- gungen zu bieten. Dass wir hierbei auf einem guten Weg sind, zeigt auch der im Februar erschienene „Hessen Start- up Monitor 2021“.

Nachfrage:

Als Basis der Analyse diente die meistgenutzte Datenquelle für Fintech-Start-ups überhaupt. Demnach sind allein in Berlin so viele Fintech-Start-ups gegründet worden wie in den drei im Ranking folgenden Städten München, Hamburg und Frankfurt zusammen. Wie erklärt sich die Landesregierung die Stärke Berlins hinsichtlich der Gründung von Fintech-Start-ups, obwohl Berlin eigentlich als Förder- gebiet und somit als eine strukturschwache Region eingestuft ist?

Antwort:

Es gab einmal einen Regierenden Bürgermeister, der nann- te die Stadt Berlin „arm, aber sexy“. Herr Dr. Naas, insofern müssen wir wohl sexyer werden.

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